Das ist nicht der Hogwarts-Express. Es ist die ehemalige Schmalspurbahn von Anklam nach Friedland. Ob nun Wild-West-Romantik oder Wild-Ost-Romantik, in Kinderjahren macht das keinen Unterschied. Bereits 1945 kam ein Großteil der zugehörigen Gleisanlagen und Maschinen als Wiedergutmachung an das "sowjetische Bruderland". Dieser bescheidene Rest wurde dann Ende der 1960er ebenfalls abgebaut. Und da sagen manche, der Krieg sei der Vater aller Dinge.

Vom Giebelfenster dieses Häuschens konnte man so manches Mal sehen, wie der Zug in der späten Abendsonne vorbeischnaufte. Einmal hatte er so viele Waggons zu ziehen, daß er einem Bandwurm glich und eine zweite Zugmaschine benötigte.
(Inzwischen finden sich neben den beiden kleinen Fenstern zwei große Fenster im Giebel. Sie liefern bestimmt mehr Licht, aber die schöne Aussicht in die Ferne und ins Grüne existiert nicht mehr.) Nerdin Dorfstr 22
Ein näherer Blick auf den beigefügten Fahrplan lohnt sich. Er zeigt, wo damals überall Halt gemacht wurde. Auch wenn es eine langatmige Angelegenheit war - Züge haben über viele Jahre nicht nur Orte sondern ebenfalls Menschen verbunden. Heute soll das angeblich das Internet leisten. Es war aber viel reizvoller, Landschaft und Umwelt aus einem Abteilfenster heraus zu beobachten. Selbst in der Nacht mit ihren vielen geheimnisvollen Lichtern. Und man konnte sich auf das Ziel freuen. Abfahrt oder Ankunft waren nicht auf Gleis neundreiviertel. Dafür hat die Bummelbahn auch einmal auf dem Sportplatz Halt gemacht, wenn jemand sein schweres Gepäck nicht so weit tragen mochte oder ein säumiger Fahrgast dort wartete. - Zudem gab es bei dem entsprechenden Ort eine "Elefantenkurve". Wer weiß wohl noch, welches Ereignis dieser Bezeichnung zugrunde liegt?

Die Samen der Vergangenheit sind die Früchte der Zukunft. Buddhistische Weisheit
